Ivar Helgason

 

 

Ivar Helgason

 

 

Ivar Helgason

 

 

Ivar Helgason

Ein Kaiser auf dem Rad ...

Ivar Helgason 

...von der bösen Hexe verfolgt!

Er zieht Grimassen wie kein anderer Darsteller seiner Zunft. Er bringt die Leute zum Lachen und grinst dabei so verschmitzt wie ein kleiner Junge, der dem Bruder gerade die Wurst vom Brot klaute... Ist das wirklich dieser ruhige und bedachte Kaiser Franz aus  „Elisabeth“, der ein wenig schüchtern und unbeholfen über die Bühne schlich? Als Enjolras in „Les Mis“ dagegen spielte er bis Ende Dezember in St. Gallen überzeugend den Rebellen. Ivar ist vielseitig einsetzbar und beherrscht extremste Kontraste, stimmlich sowie schauspielerisch. Stand er in einer Show als Enjolras auf der Bühne, so verkörperte er stimmgewaltig und überzeugend in der Nächsten die absolut anspruchsvolle Rolle des Jean Valjean. Der Knaller: seit Herbst 2007 erstaunt er als Hexe in „The message pouch“, ähnlich wie „Into the woods“, in seiner Heimat Island nicht nur die Fans sondern auch Kritiker. Ivar ist voller interessanter Pläne. Zeit für uns, diesem sympathischen Komödianten in St. Gallen zu treffen. Und auch hier war der hohe Lachfaktor mit ihm wieder garantiert.

Im Moment spielst Du die Hexe in einem FantasyMärchen in Islands NationalTheater...
Ja, das Stück orientiert sich an „Into the woods“, ist aber mehr für Kinder gemacht und enthält viele Wortspiele und Zweideutigkeiten. Es ist eine kombinierte Geschichte aus den verschiedenen Märchen der Gebrüder Grimm. Die Musikband beispielsweise besteht aus sieben Leuten, sie sind die 7 Zwerge. Ich spiele die böse Hexe von Hänsel und Gretel, die ein Teil eines Trios ist, bestehend aus dem bösen Wolf von „Rotkäppchen“ und der Stiefmutter aus „Aschenputtel“. Die Geschichte selbst ist sehr lustig, verwirrend und kompliziert. Anders als in den einzelnen Märchen sind die Charaktere in dem Stück miteinander verwoben. Der Hintergrund und die Aussagen aber sind sehr schön. Man muss sich das so wie bei uns Menschen vorstellen. Wir haben auch viele Wünsche. In dem Stück gehen sie zwar in Erfüllung, aber die Figuren merken am Ende, dass das im Leben nicht immer so toll ist...

Ich musste lachen, als ich las, dass du die Hexe bist. Das passt zu Dir.
Ja, das stimmt und es macht mir total Spaß diese Rolle zu spielen. Das Kostüm ist echt krass, man erkennt mich gar nicht wieder und außerdem kann ich nur mit einem Auge sehen. Das andere ist von der Maske verdeckt. Das ist eine große Umstellung beim Singen und Spielen. Was ich auch lustig finde ist, ich kann das Auge sogar herausnehmen (grinst dabei belustigt).  Beim Abschminken ist es immer ein bisschen schwierig. Das dauert ewig. Man muss sich vorstellen, die Kollegen verabschieden sich alle aber ich sitze noch immer und kämpfe, dass ich die Maske aus dem Gesicht bekomme. Einmal ist es mir passiert  ich war sehr müde  als ich das künstliche Kinn abnehmen wollte. Ich habe an „schnell und schmerzlos“ gedacht denn es war mit sehr viel Kleber befestigt. Ich bekam es einfach nicht ab. Ich habe ganz schnell dran gerissen (verzieht schmerzlich das Gesicht und lacht) danach war mein Bart weg... (lacht noch mal!)

Wie muss man sich das gesanglich vorstellen? Ist die Rolle der Hexe etwa keine Frauenstimme?
1993 wurde diese Rolle auch schon von einem Mann interpretiert. Ich weiß nicht, ob die Macher diese Figur speziell für einen Mann geschrieben haben, aber ich denke, sie wollten da etwas wirklich Grobes nehmen. Manche Leute können es tatsächlich nicht einordnen, ob nun eine Frau oder ein Mann singt. Ich muss sagen, ich bin sehr froh, dass ich zuvor den Valjean gesungen habe, denn die Gesangspassagen der Hexe sind teilweise sogar noch höher.  Das hat mir der Rolle der Hexe sehr geholfen. Hinzukommt. Ich spiele sehr gerne mit meiner Stimme und probiere verschiedene Sachen aus. Ich habe auch Synchronisationskurse belegt. In der Isländischen Version des Disneyfilms „Bambi“, habe ich z.B. den Hasen gesprochen.

Wie lange läuft das Stück noch und wie oft sind Vorstellungen?
Es läuft noch eine ganze Weile. Ich glaube, dass das Stück nächstes Jahr auch wieder gespielt wird. Ansonsten, wir haben jeden Sonntag zwei Vorstellungen.

Seit März warst Du als Enjolras in LesMis in St. Gallen zu sehen. Welche Erinnerungen bleiben?
Es war eine sehr schöne Zeit und es war eine echt gute Cast hier, die ich sehr vermissen werde. Eine der traurigsten Punkte in diesem Job ist, man kann sich nie sicher sein, ob man sich wieder sieht. Das kann das letzte Mal sein, dass man wirklich gute Kollegen trifft. Und gerade bei mir stehen die Chancen noch geringer, weil ich jetzt erst einmal wieder nach Island gehe. Viele Leute sind mir sehr ans Herzen gewachsen. Trotzdem habe ich große Hoffnungen sie irgendwann wieder zu treffen.

Was fällt Dir zu Les Mis ein?
Ich liebe das Stück! Ich liebe die Musik! Wahnsinn! Diese Geschichte selbst zu erleben und zu spielen ist etwas ganz Besonderes, mir wird dabei sicherlich nie langweilig werden und ich hoffe, ich bekomme irgendwann noch einmal die Chance in dem Stück mitzuspielen. In diesem Fall ist es mir nicht einmal wichtig welche Rolle es sein wird.

Du warst in derselben Rolle auch im Sommer in Bad zu sehen. Wie erging es Dir in dieser Zeit?
Ich habe die Zeit dort sehr genossen. Die Stimmung, als wir in diesem Kloster spielten war absoluter Wahnsinn. Backstage gab es eine gigantische Szene: wenn wir beim Finale seitlich auf die Bühne kamen, da sahen wir diesen riesigen Bogen der Ruine in den Himmel ragen. Er schien noch riesiger als er wirklich war. Man kann die Stimmung eigentlich gar nicht beschreiben. Es war romantisch, aber auch fast ein bisschen düster. In Bad Hersfeld ist es besonders wichtig welche Stücke man dort aufführt. Man kann nicht Alles dort spielen. Aber gerade Les Mis kann diese Atmosphäre ganz besonders rüberbringen.

Magst Du den Enjolras oder den Valjean lieber?
Es sind natürlich zwei ganz verschiedene Rollen. Ich muss sagen, dass mir stimmlich die Rolle des Valjean besser liegt, als die des Enjolras. Valjean hat auch viel mehr zu singen. Später stand fest, dass Olegg Vynnyk die Rolle in Bad Hersfeld übernehmen wird. Ich behatte als Valjean insgesamt drei Shows. Man hatte mir die Rolle zuvor als Cover angeboten. Ich konnte aber nicht sofort zusagen, weil ich mich eigentlich noch nicht bereit fühlte diese große Rolle zu spielen. Aber am Ende war ich von mir selbst total überrascht, wie gut ich sie doch beherrschte. Durch diese Herausforderung hat sich mein Stimmumfang sehr positiv entwickelt, ich habe mich sehr verbessert. Das war eine tolle Chance. Mittlerweile habe ich die Rolle noch besser kennen gelernt, mich viel mehr damit befasst. Ich kann mir sehr gut vorstellen, sie wieder zu spielen.

Du hast auch noch einige andere Engagements am laufen und viele Pläne. Das hört sich nach Stress an...
Das ist schon okay. Ich liebe Aufgaben und möchte möglichst viele unterschiedliche Dinge machen. Wenn mir spannende Sachen angeboten werden, versuche ich es irgendwie zu organisieren, auch wenn es vielleicht schwierig wird. Ich entscheide mit meiner Frau gemeinsam was sinnvoll ist. Ich würde dieses Jahr gerne eine Sommerproduktion mitmachen, das wäre echt spannend. Aber solange ich Rollen Zuhause in Island bekomme, werde ich sie auch annehmen. Ich habe also grundsätzlich ich immer viel zu tun und das finde ich gut. 

Hast Du schon Pläne, wie es nach der Hexe weitergeht?
Ja das nächste Musical hier in Island heißt übersetzt  „Die Liebe ist Disco, das Leben ist Punk!“ Ich werde da mitspielen. Das ist echt spannend. Es handelt sich, wie der Texter des Stückes sagte, eigentlich um nichts Neues. Es gibt diese brave Discoqueen die sich in den Punkleader verliebt, ähnlich wie z.B. bei Grease mit Danny und Sandy oder typische Pärchen wie wie Romeo und Julia.... Als Musikrichtung dient ganz klar Disco und Punk aber es sind Isländische Lieder eingearbeitet, die den Leuten aus den 80’er Jahren noch bekannt sind und sehr am Herzen liegen. Die Schauspieler selbst spielen die Instrumente. Ich bin schon sehr gespannt. Ich glaube ich selbst werde zum Discokönig....(lacht) Ich selbst spiele ja auch viele Instrumente, habe ein Studio mit 6 Gitarren, 2 Ebasse, Schlagzeugset u.a. spiele Flöte und sammle Instrumente. Ich glaube, das wird echt so richtig cool.

Ich hab da was von einer Musicalschule für Kinder gehört?
Ja (strahlt) seit 7. Januar unterrichte ich Kinder in Schauspiel. Im Laufe der Zeit sollen sie dann möglichst viel selbst machen. Ich habe 12 Kinder, die z.B. das Bühnenbild, Schminke oder die Kostüme übernehmen möchten. Ich werde versuchen allen Aufgaben zu geben. Auch Instrumente werden sie selbst spielen! So entsteht eine Band aus Kindern mit Schlagzeug, Piano, Bass und EGitarre. Sie sollen möglichst alles selbst übernehmen so auch natürlich das Tanzen und Singen. Das ist übrigens auch ein Traum von mir, eine Musicalschule zu eröffnen und dies ist der Beginn.

Wirst Du in Deutschland überhaupt wieder „Audienzen“ geben?
Wie gesagt, ich hoffe, dass sich in Sachen Sommerproduktion etwas Interessantes ergibt. Es ist sehr schade und traurig, dass LesMis in Bad Hersfeld nicht wiederholt wird. Aber wir werden sehen, ich bin gespannt und lasse es auf mich zukommen, was wohl die nächste Rolle wird.

Welche Rolle bzw. welches Musical würde Dich denn interessieren?
Ich sage immer, wenn mich jemand nach meiner Traumrolle fragt, dass ich gar keine habe. Ich habe lediglich nur den Wunsch, so viele verschiedene Rollen wie möglich zu machen. Ich enge mir die Auswahl durch die Bestimmung einer festen Rolle dadurch nur ein. Ich möchte mir lieber alle Türen offen halten. Dann bleibt es auch spannend.

Berlin und „Elisabeth“?
Ich schließe es nicht aus, dass ich mal wieder in Elisabeth spiele. Ich würde generell sogar sehr gerne mal in Berlin spielen. Zu Elisabeth ist zu sagen, ich liebe Elisabeth und die Musik. Das ist eines der Musicals, von denen ich denke, dass die ganze Welt davon wissen sollte. Aber leider, glaube ich, verstehen bei „Elisabeth“ gerade Englische/ skandinavische Länder etwas ganz Anderes darunter. „Elisabeth“ hat dort eine ganz andere Bedeutung und der erste Gedanke erinnert die Meisten an etwas ganz Anderes  z.B. an „Ihre Königin Elisabeth“. Wie gesagt, ich liebe Eli und ich mache es irgendwann auch vielleicht mal wieder. Ich glaube aber, die Rolle des Franz Josef würde ich nicht mehr annehmen.

Du hast die komplette Spielzeit der Stuttgarter Inszenierung gespielt...
Ich habe sehr viel in dieser Zeit gelernt. Es war eine tolle Zeit und es gab wie überall Kollegen, die man sehr vermisst. Ich habe viele Erfahrungen gemacht und durch die lange Spielzeit gelernt möglichst viel aus einer Rolle herauszuholen. Sie wurde mir nie langweilig. Ich finde, man kann sich immer verbessern und daran arbeiten. Man kann neue Nuancen setzen und trotzdem sich und der Rolle treu bleiben. Das ist meine Einstellung. Als ich die Rolle annahm habe viel über Franz Josef gelesen, wie er wirklich war. Ich habe nie versucht ihn heldenhaft darzustellen, nur damit ich als Darsteller besser rüberkomme. Ich hätte sonst das Gefühl gehabt, dass ich dem Stück und der Rolle nicht treu gewesen wäre. Ich weiß, dass Viele gesagt haben, dass ich langweilig als „Franzl“ war. Eigentlich war der Franz Josef ein ganz herzlicher Mensch, seine Briefe waren voller Wärme und Gefühle. Ich habe ich die Liebe gespürt, die in ihm war. Doch er hatte seine Aufgabe, sein  Schicksal in sehr jungem Alter angenommen und es akzeptiert. Er wurde sehr früh Kaiser er hatte keine richtige Kindheit. Er hat bis zu seinem Tod diese Lebensaufgabe erfüllt. Der Mann tut mir leid. Er war eigentlich ein kleiner Soldat, der tun musste, was seine Pflicht war. Und so habe ich ihn auch gespielt. Anfangs war Franz Josef nicht sehr beliebt. Später, als älterer Mann wurde er respektiert. Er tat alles für sein Land. Es tut mir sehr leid, wenn die Leute sagen, dass ich so langweilig war, aber so war die Rolle. Das hat mit mir als Person oder Darsteller ja nichts zu tun.

Kaum ein anderes Musical hat einen so enormen Fankreis wie Eli. Wie war das für Dich?
Es ist unterschiedlich, wie sich die Leute geben. Viele kommen und wollen sich nur bei Dir bedanken. Das motiviert mich sehr und gibt positives Futter. Ich liebe es auch mit den Leuten zu reden und zu diskutieren. Klar gefällt es mir auch, wenn sie das schätzen, was ich mache. Ich versuche aber auch jedes Mal Volles zugeben. Ich akzeptiere natürlich auch die unterschiedlichen Geschmäcker der Leute. Natürlich muss Kritik konstuktiv und gerechtfertigt sein. Ausreden oder unpassende Kommentare finde ich nicht gut. Ich mag es, wenn ein intelligentes Gespräch entsteht. Wenn es mal lustig wird finde ich das auch okay. Es stehen ja nicht immer Leute an der Bühnentüre. Das ist dann auch gut.

Was bedeuten Dir Fans?
Der Begriff hat so viele Seiten und ich hab mir oft gedacht, ich schreibe mal ein Buch darüber. Die verschiedenen Typen, Arten und Fans, das ist so faszinierend vor allem aber auch super interessant. Ich bin nicht einer von den Darstellern, die von Fans oder einem Fanclub abhängig sind. Mir genügt es, wenn die Leute die Show genießen und ich meine Aufgabe auf der Bühne erfüllt habe. Dann bin ich zufrieden. Das ist für mich genug. Ich brauche keinen Fanclub. Ich bin ein ganz normaler Mensch, habe eine Familie und das ist das Wichtigste für mich. Aber klar, natürlich freue ich mich, wenn die Leute zu mir kommen und mich loben. Das ist toll. Ich finde es auch nett, wenn die Leute mir kleine Geschenke zum Andenken wie z.B. Fotos oder so schenken. Das schätzt man dann auch.... Ja, aber ein Buch zu schreiben, wie gesagt, das wäre toll. Das würde ich gerne mal machen.

Kannst Du Dir vorstellen auch mal Konzerten zu geben?
Ja sehr, sehr gerne würde ich das mal machen. Derzeit habe ich das zwar nicht geplant, weil ich so vieles Anderes mache, aber sicher wird das auch noch kommen. Ich bin immer bereit etwas Neues zu machen und auszuprobieren. Es muss halt wirklich gut sein. Das ist mir wichtig. Und es muss sich auch lohnen, weil ich eine Familie und dadurch Verpflichtungen habe. Eine hohe Qualität ist mir immer sehr wichtig. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ich das in Deutschland machen kann. Vielleicht auch mit eigener Musik oder so. Aber das bestimmt das Schicksal und die Zeit. Wir werden sehen. Wie gesagt, jetzt wäre es erst mal schön, wenn es in Deutschland mit einer Sommerproduktion klappt. Darüber würde ich mich sehr freuen.

 

Erstellt: Marina Christiana Bunk 2007