Kulturpublizistik
So liest sich Schubert
„Das Wort „Fremdheit“ begleitet den Leser durch den gesamten Roman. Gleichgültig wie vertraut und verknüpft wir zu Familie und Freunden sind, ein Gefühl bleibt: darunter befindet sich immer dünnes Eis.“ Starke Worte des Autors Pascal Mercier im Rahmen einer Lesung am Dienstag Abend im Cafe Bücher Pustet, in der er seinen neuen Roman „Lea“ (Hanser Verlag) vorstellte. Rund 128 Zuhörer lauschten dem 1944 in Bern geborenen Weltbestsellerautor (Nachtzug nach Lissabon 2004, Der Klavierstimmer 1998, ...) und stellten anschließend Fragen. Mercier ist auch als Peter Bieri des Romans „Das Handwerk der Freiheit“ (2001) bekannt. Seine Bücher wurden in den vergangenen Jahren in 15 Sprachen übersetzt. Preise wie der Marie-Luise-Kaschnitz-Preis 2006, oder der „Premio Grinzane Cavour“-Preis 2007 in Italien, für den besten ausländischen Roman, zeichnen den Autor aus.
Mercier erzählte auf witzige und charmante Weise, wie sich die Romanfiguren entwickelten und welche privaten Erlebnisse ihn inspirierten. Zusätzlich las er zwei spannende Passagen vor. Hauptfigur ist des Buches ist Lea, ein achtjähriges Mädchen, das sich nach dem Tod der Mutter in eine eigene Welt geflüchtet hat. So entsteht diese „Fremdheit“ zwischen Lea und ihrem Vater, Martin van Vliet. Ein fatales Wechselspiel, bei dem sich die Personen nicht nur untereinander, sondern auch sich selbst immer mehr entfremden. Erst die Klänge einer Geige lassen Lea zu neuem Leben erwecken. Durch ihre außerordentliche Begabung wird sie schon in jungen Jahren von der Musikwelt und dem Publikum verehrt. Doch Vater und Tochter entfernen sich zunehmend. Als Van Vliet den Schweizer Chirurgen Adrian Herzog trifft schwindet deren anfängliche Fremdheit. Verbundenheit und tiefes Vertrauen entwickelt sich. Gelingt es dem Vater durch diese Begegnung die Fremdheit zwischen ihm und Lea zu lösen? Am Ende ist eine tragische Katastrophe nicht zu verhindern....
„Mein Text liest sich musikalisch, verfügt über einen beinahe melodischen Rhythmus, fast wie bei einer Prosa.“ Mit einem Lächeln zitierte Mercier einen Leserkommentar: „Nachtzug nach Lissabon liest sich wie Bach, aber Lea ist Schubert!“
Erstellt: Marina Christiana Bunk
Erschienen im überregionalen Kultur Teil (bayerisch Schwaben und Allgäu) der Augsburger Allgemeinen
