Tanz der Vampire in Wien am 19.9.2009

 

Das Ronacher ist ein wunderschönes altes Theater und passt zu den Vampiren sehr gut, außer dass es ein bisschen klein ist. Eine SEHR bekannte Stimme befahl uns, in die Dunkelheit einzutauchen…

Diesem Aufruf folgten wir natürlich nur allzu gerne…
Vorweg muss gesagt werden, dass Cornelius Baltus in einem Interview sagte:
“ Das Baby hat laufen gelernt, wir haben aus allen Spielorten das Beste ausgesucht und für Wien eine neue Fassung erarbeitet.“
Ich kann ihm nur aus tiefstem Herzen zustimmen, sie haben wirklich etwas wahnsinnig Wunderschönes geschaffen und ich kann nur sagen: Für TDV-FANS ein absolutes Muss!!!

Das Bühnenbild hat sich sehr zu seinem Vorteil verändert, es wirkt düsterer. Da die Bühne wesentlich kleiner ist, gibt es z. b. keine Wendeltreppe mehr. Die meisten anderen Elemente sind in verkleinerter Form erhalten und wirken nach wie vor super. Ich werde in jeder Szene darauf eingehen.
Es wird viel mit Lichteffekten, Projektoren und 3 D gearbeitet, was in keinster Weise störend ist und somit vergisst man die kleinere Bühne sehr schnell.
Die Kostüme haben sich ebenfalls verändert, es gibt andere Charaktere bei den Ewigkeitsvampiren und sie sind viel mittelalterlicher geworden.

Die Texte und Textänderungen und die Reihenfolge der Songs sind wie in Oberhausen.
Die Musik ist straffer als zuletzt in Oberhausen, es sind nicht mehr so viele E-Gitarren im Einsatz, dafür viele Violinen.
Eine kurze Zwischenmelodie ist eingebaut worden, kurz vor dem Finale.

So … aber wie immer startet das Musical mit Alfred, der seinen Professor sucht.
Und da fällt Wiederholungstätern auf, dass der Professor diesmal auf der falschen Seite liegt, nämlich auf der rechten Bühnenseite. Wie immer schleppt Alfred den Professor in Wirtshaus, wo sie auf eine volle Gaststube treffen. Dem armen Dorftrottel werden andere Streiche gespielt wie früher. Z. B. wird er auf einen Stuhl gesetzt und hochgestemmt, auch fällt er in einen leeren Korb und muss sich von den anders aussehenden Bauern ärgern lassen.
Im Wesentlichen sind die Kostüme gleich… Magda trägt eine andere Frisur, Chagall und Rebecca andere Kleidungsstücke.

Als Chagall den Professor und Alfred auf das Zimmer führen will, dreht sich das Haus und als der Prof. wissen will, woher dieses „aaahaaahaaa“ kommt, guckt er dabei ebenso wie Alfred und Chagall aus geöffneten Fenstern. Quasi auf der Hausrückseite.

Bis zu den roten Stiefeln waren keine nennenswerten Veränderungen. Die Darsteller müssen sich noch steigern. Es läuft noch nicht recht rund, ich denke einfach, dass sie mehr Zeit brauchen, um sich einzuspielen. Vor allem beim Rote-Stiefel-Solo wirkte das ganze einigermaßen eckig.

Beim Prayer dreht sich das Haus wieder 2x mal um die eigene Achse und der Graf steht diesmal nicht auf dem Haus. Sondern er steht vor der Haustüre mitten unter den Bauern.  Dieser Effekt wirkt supergut, denn so ist er näher. ER zeigt wie einfach es für ihn ist, sich an Sarah ranzumachen… Super Idee ;-)

Die ViPs haben zum Glück keine hässlichen Plastikhandschuhe mehr an und sind überall vertreten. Auf der Bühne, den Rängen, in den logen, sogar im 2. Rang wurden welche gesichtet und haben nicht nur Erstgänger erschreckt.

Beim Finale 1.Akt vor dem Schloss erhält der Graf wie immer eine Visitenkarte, doch er hat keine Tasche dafür und wirft sie angewidert zu Boden. Wirkt supergenial und vor allem mit der Mimik und Gestik von Thomas ein absoluter Lacher.

Apropos Thomas Borchert alias Graf von Krolock: Was positiv auffällt ist, dass er während des 1. Aktes das gleiche Kostüm trägt und zwar in neuer Variante. Sein Cape ist aus Pannesamt mit langer Schleppe innen in blau/rot gefüttert. Darunter trägt er eine schwarze Satinhose und eine wunderschöne, längere Brokatjacke, die vorne komplett durchgeknöpft ist. Die Schleppe ist allerdings zu lang, er tritt sehr oft drauf.  Der untere Rand ins zipfelig geschnitten…Wenn er seine Arme ausbreitet, verwandelt sich das Cape in Fledermausflügel, die Schleppe ist immer noch bodenlang. Wirkt eigentlich schön, doch sie hindert ihn. Negativ ist mir aufgefallen, dass er kaum geschminkt ist. Die Hände aus meiner Sicht überhaupt nicht, die Aufgeklebten Nägel leuchten in einem dunkellila(?) und er trägt keinen Schmuck (Ring) mehr. Das Gesicht ist ebenfalls kaum schattiert. Er ist zwar bleich geschminkt, aber die ganzen dunklen Stellen fehlen, die das Gesicht optisch schmal und „eckig“ erscheinen lassen.

Herberts neues Outfit ist in zartlila und das sieht supergenial aus!!! Ganz anders, eigentlich etwas ungewohnt, aber ich kann nur sagen: DAUMEN HOCH!

Der 2. Akt beginnt mit einer Veränderung in der „Totalen Finsternis“-Szene:
Da es keine Wedeltreppe mehr gibt,  ist die Bildergalerie geteilt und in der Bühnenmitte ist eine Treppe. Sie wirkt wie eine breite Show-Treppe. Hier trägt der Graf ein neues Outfit, allerdings nur in dieser Szene, was viel zu schade ist, denn das Neue ist so schön! Das Cape ist viel kürzer, hat kaum noch Schleppe. Es glitzert am Kragen und an den Schultern wie mit kleinen Strasssteinen besetzt. Dass Innenfutter des Capes ist bordeauxrot und er trägt in der gleichen Farbe wie das Futter einen Gehrock über der Jacke mit den silbernen Knöpfen vom 1. Akt. WUNDERSCHÖN!!

Bei Carpe noctem sind die Tanzszenen anders, weil die Bühne ja viel kleiner ist. Auch erscheint der Black Vampir beim ersten Male oben runter vom Bett. Sprich von der Decke des Himmelbettes und windet sich nach unten. Am Ende erschien auf mysteriöse Weise eine Hand unter dem Bett und schob auf der linken Seite die Schuhe des Professors heraus. Das sah vielleicht witzig aus!

In der Gruftszene steht der Sarg von Chagall und Magda jetzt mittig zwischen den anderen beiden Särgen und dient der Taschenablage. Alfred muss ähnlich wie in Oberhausen wieder klettern über den Sarg des Grafen um nach oben oder unten zu gelangen. Totaler Lacher ist: nachdem Koukol die beiden wieder in den Sarg gescheucht hat, setzt er sich darauf und summt die Melodie mit, von „was ist dabei“.

Die Szene in der Bibliothek hat sich am meisten verändert. Sie befindet sich auf einer Rundbühne und wird gedreht, wenn es erforderlich ist. Zuerst sieht man nur die Bibliothek. Während Alfred seine Sarah sucht, dreht sich die Bühne im Uhrzeigersinn und das runde Bad erscheint. Danach dreht die Bühne zurück und die Bibliothek erscheint wieder. Sie dreht sich weiter und das Bad von Herbert erscheint.
Während die Bühne sich also so dahin dreht, sieht man durch ein Tor wie Sarah ihr rotes Kleid anzieht und Koukol hilft ihr dabei.

In dem Moment, als Alfred gebissen werden soll und von der Bühne flüchtet um am linken Rand wieder zu erscheinen, dreht sich die Bühne zurück in die Bibliothek. Und das ist wirklich genial. Denn es wirkt viel realistischer. Alfred nimmt den umständlichen Weg um zu flüchten. Herbert nützt seine Kenntnisse, nimmt Geheimgänge um Alfred doch noch zu erwischen. Wie immer rettet aber der Professor Alfred. Diese Szene ist genial gelöst. Sie wirkt viel schlüssiger und ist eine wunderbare Ergänzung zur bisherigen alten Inszenierung.

Die nächste optisch kleine, aber sehr effektvolle  Änderung ist bei „he ho he“. Professor Abronsius und Alfred stehen vor der Schloss-Silhouette und Graf von Krolock erscheint auf den Zinnen. Sehr effektvoll und man glaubt aufgrund der 3D-Technik wirklich dass er oben steht. Bei „Ewigkeit“ sind viele neue Kostüme im Spiel, man muss sich dran gewöhnen, aber sie sehen super aus, viel mittelalterlicher.

Bei der „unstillbaren Gier“ gibt es auch eine kleine Änderung: durch ein echtes Tor betritt der Graf die Grabplatte. Nach der „Totalen Finsternis“ bis zum Ballsaal hat Thomas Borchert ein anderes Kostüm an, es ist in komplett schwarz und sieht dem alten sehr ähnlich. Nur bei der Hose, auf den Oberschenkel ist ein Muster eingestickt.

 

Die größte Veränderung ereignet sich ab der Flucht vom Prof, Alfred und Sarah.
Das Schloss stürzt diesmal nicht ein! Koukol wird wieder von den Wölfen gefressen und der zum Vampir gewordene Alfred flüchtet mit seiner Sarah in den Zuschauerraum.

Dann erklingt eine neue Zwischenmelodie.

Der Professor sucht auf der Bühne Alfred und schreit verzweifelt nach ihm. Auf der linken Seite schreitet der Graf auf die Bühne. Als er genau diese Stelle erreicht hat, verschwindet der Professor. Der Graf steht auf der Bühne und bricht in schallendes Gelächter aus. Während des Lachens fährt er mitsamt einer Bodenplatte nach unten und ist somit verschwunden.
Danach erscheint das Ensemble mit Alfred und Sarah und sie tanzen ihren letzten Tanz. Allerdings sieht man im Hintergrund die Skyline von Wien und die Vampire haben sich verwandelt. Sie treten alle im Gothic-Style, in ganz modernen schwarzen Outfits mit Sonnenbrille, Schmuck und weiteren Accessoires auf.

Kurz bevor die letzten Töne erklingen, erscheint ein ganz anderer Graf von Krolock: Ebenfalls im Gothic-Outfit, langer, schwarzer Ledermantel, die langen Haare drüber – einfach umwerfend! Er tanzt die letzten Schritte und Bewegungen mit, singt mit und im Hintergrund schwebt der Schriftzug VAMPIRE!!!!

 

Abschließend ist zu sagen, es fehlt hier und da noch am Zusammenspiel und manches wirkt noch sehr kantig, sobald sich das Stück eingespielt hat, wird es ein harmonisches Bild abwerfen.

 

Kommen wir zu den einzelnen Darstellern:

Thomas Borchert als Graf von Krolock überzeugte wie gewohnt! Dass er mit dieser langen Schleppe seine Probleme hat, kann man ihm großzügig verzeihen. Seine Mimik und Gestik ist großartig wie immer und auch seine neuen Szenen scheinen ihm viel Spaß zu bereiten. Seine „unstillbare Gier“ hat mich, wie so oft, sehr zu Tränen gerührt. Nur seine langen Töne, waren für seine Verhältnisse kurz… Andere Krolocks wären glücklich, die so hinzubekommen. :-)

Marjan Shaki  als Sarah spielt eine supersüße, sehr junge und naive Sarah.  Das hätte ich ihr absolut nicht zugetraut. Nur bei der „Totalen Finsternis“ hat sie Mühe gegen Thomas Borchert anzukommen und überreizt ihre Stimme ein wenig durch Schreien. Zugegeben, gegen Borchert anzukommen ist auch nicht einfach.

Lukas Perman spielt Alfred. Ich denke, er braucht noch einige Zeit, um die Rolle zu verinnerlichen. Er wirkt zum Teil etwas emotionslos und wirkt auf mich zu „Romeo“-haft.

Gernot Kranner präsentiert Professor Abronsius. Diesen spielt er superschrullig und total witzig. Sein Lachen ist wirklich mitreißend…DAUMEN HOCH!

Thomas Weissengruber ist Kokul. Was soll man sagen. Stefan ist und bleibt Stefan… (für alle „Outsider“ Stefan Büdenbender hat die Rolle in Deutschland in jeder Inszenierung verkörpert und somit geprägt - Anm.d.Red.) mir gefiel dieser Koukol hier bedauerlicherweise nicht. Man konnte kaum verstehen, was er nuschelte und sein Kostüm konnte nicht überzeugen, was nun aber nicht am Darsteller selbst lag.

Anna Thoren als Magd Magda - sie ist einfach super! Sie gefällt mir vor allem bei Carpe noctem, da überzeugte sie komplett.

 

Katharina Dorian  als Rebecca spielt gut, aber hat es nicht geschafft sich zu etablieren und man muss leider sagen, dass sie nicht besonders aufgefallen ist.

 

James Sbano spielt sehr genial ein Chagall mit seinem ganz eigenen Stil. Manchmal ist er ein bisschen schwer zu verstehen, aber er spielt sehr ausdrucksstark.

Marc Liebisch ist der schwule Vampir Herbert… er spielt ihn kaum tuntig, was aber super rüberkommt. Er faucht viel, was sehr „süß“ auffällt, und zeigt gerne seine langen Zähne. Als er im Ballsaal zudem viele Späße auf der Bühne macht, konnte er das Publikum überzeugend erheitern.

Besonders schön gesungen von Aleks di Capri war sein Night Mare Solo 2. Es erinnerte an die wunderbaren und überzeugenden Shows in Hamburg und liess einen Seufzer durchaus aufkommen, in Gedanken an alte Zeiten schwelgend.

Alles in Allem also ist TdV in Wien eine tolle Show und allein die neue Inszenierung mit neuer Bühne und tollen Kostümen war unsere lange Anreise wert.

 

 

Petra Mannigel und Heidy Staudt für Musicalfotojournalismus 24.09.2009