City of Angels

 

Ruhm, Macht, Reichtum – darum dreht es sich dieses Jahr bei den Schloßfestspielen in Ettlingen, denn Hollywood hat dort Einzug gehalten.

Das Musical City of Angels spielt an zwei Schauplätzen: Der realen und der Roman-Welt, die aber keinesfalls strikt getrennt bleiben, sondern sich auch ab und zu vermischen.

In Hollywood lebt der junge und erfolgreiche Autor Stine, dessen Roman verfilmt werden soll. Buddy Fidler, der beste Produzent der Branche, verlangt dafür zahlreiche Änderungen, die zumindest anfangs widerspruchslos von Stine vorgenommen werden.
In seinem bisher erfolgreichsten Roman geht es um den kaltschnäuzigen Privatdetektiv Stone, der so ziemlich alle Eigenschaften besitzt, die Stine abgehen.


Stone erhält von der Alaura Kingsley, Gattin des reichen und todkranken Luther Kingsley, den Auftrag die verschwundene Tochter Mallory Kingsley zu finden. Neben der hohen Entlohnung reizt ihn auch die verführerische Millionärsgattin, nichts ahnend, dass er sich in einem Netz von Intrigen und Lügen verfängt.
Auch Stine wird immer mehr in eine Welt verwickelt, die er nicht kennt: Charmante Sekretärinnen, hübsche Jungdarstellerinnen, die für eine gute Rolle alles tun würden, schleimige Schlagersänger und herrische Produzenten. Als er erkennt, dass er nur noch ein Werkzeug von der Traumfabrik Hollywood ist, beginnt er  zu rebellieren.

Die Darstellung von zwei Welten wurde hervorragend gemeistert. Auf der rechten Seite befand sich das Büro des Autors Stine, auf der linken das des Privatdetektivs Stone.  Das was Stine auf seiner Schreibmaschine schrieb, spielte sich zeitgleich auf der anderen Bühnenseite ab. Auch wenn man eine kurze Zeit braucht um sich in die Geschichte einzufinden, hat man als Zuschauer doch so manches Aha-Erlebnis, wenn sich alle Fäden zu entwirren beginnen.

Das Musical zeichnet sich vor allem durch den bissigen Humor aus. Wenn Buddy Fidler nackt vor Stine steht und dieser sich dafür entschuldigt, dass er seine Lupe heute nicht dabei hat, bleibt keine Auge trocken. Oder die trockene Feststellung von Stones Sekretärin Oolie, dass Männer sogar aus dem Grab kommen um Fremdzugehen erntete zahlreiche Lacher.

Die Musik ist eine hinreisende Mischung aus Swing und Jazz, die den Zuschauer in das Hollywood der 40-Jahre versetzt.
Besonders erwähnenswert sind die Choreografien von André Sultan-Sade, die zu keiner Zeit unpassend oder störend wirken, sondern sich immer harmonisch in das Geschehen einfügen.

Norbert Kohler als Stine überzeugt das Publikum mit seiner sympathischen Art, Stimme sowie seinem Schauspiel. Ihm verzeiht man auch die ein oder andere Affäre. Stefan Vinzberg, der den Privatdetektiv Stone darstellt, besticht vor allem durch seinen trockenen Humor, die die Figur Stone einfach liebenswert macht.
Gerhard Haase-Hindenberg verzeiht man den ein oder anderen unschönen Ton, da er vor allem durch sein Schauspiel glänzt, sowohl als Produzent Buddy Fidler als wie auch als Irwin S. Irving in der Welt des Romanes.

In weiteren Rollen standen auf der Bühne:

Kerstin Ibald – Gabby/Bobby
Kira Primke – Donna/Oolie
Eva Isabel Dörfler Carla Haywood/Alaura Kingsley
Thomas Schirano – Jimmy Powers
Regina Kletinitch – Avril Rains/ Mallory Kingsley
Martin Markert – Peter Kingsley/Officer Pasco
Wolfgang Grindemann – Luther Kingsley/ Werner Kriegler/ Kommissar Gaines
Oliver Sekula – Pancho Vargas / Lieutenant Munoz
André Sultan-Sade – Big Six/ Dr. Mandril/ Wachmann
Lutz Standop – Krankenwärter/ Mahoney/ Neffe

Das ganze Ensemble wirkte durchweg stimmig und meisterte die Herausforderung einer Doppelrolle glänzend.

Neben den Darstellern gab es auch noch die Angel City Four, die aus Jennifer Sarah Boone, Tanja Krauth, Adrian Kronenberger und Lemuel B. Pitts bestand, die Übergange zwischen den einzelnen Szenen mit Jazz-Liedern überbrückten, und auch mal mit dem unglaublich schleimigen Schlagersänger Jimmy Powers, der übrigens im Publikum Autogrammkarten gegen Küsschen verteilt, auftraten.

Das Bühnenbild war wie in Ettlingen wie üblich schlicht und bestand aus einzelnen Buchseiten, die bei Bedarf umgedreht wurden und dann verschiedene Orte darstellten. Zusätzlich gab es nur wenige Requisiten, die aber alle ins Bild passten und auch völlig ausreichten.

Das Orchester unter der Leitung von Jürgen Voigt lieferte eine glanzvolle Leistung ab und harmonierte mit dem Ensemble.

Ein wunderschöner Abend vor einer herrlichen Kulisse – jeder der die Chance hat noch nach Ettlingen zu fahren, sollte sie ergreifen – es lohnt sich!

 

Daniela Smoczynski für Musicalfotojournalismus, 26.07.09