100% Genuss - „The Scarlet Pimpernel“ bei den Schlossfestspielen in Ettlingen

 

„Ich komme direkt aus der Höll´, ich bin der Scarlet Pimpernel“. Dieses Jahr reichte eine Fahrt nach Ettlingen. Dort wurde seit dem 26.06.08 das Stück von Frank Wildhorn im Innenhof des Ettlinger Schlosses aufgeführt.
Ich habe drei Vorstellungen besucht, die letzte war am 16.08.08.
The Scarlet Pimpernel hat all das, was eine gute Geschichte braucht: Liebe, Verrat, Hass, Erpressung und ein Happy End.
Zur Zeit der französischen Revolution verliebt sich die Schauspielerin Marguerite St. Just in den englischen Adligen Sir Percy Blakeney und heiratet diesen. Da sie in der Vergangenheit eine Affäre mit dem Polizeichef Chauvelin hatte und diese vor Percy verheimlichen will, schließt sie einen Handel mit Chauvelin. Sie verrät ihm den Standort der Familie des Marquis de St. Cyr, die sich versteckt halten. Chauvelin verspricht, die Familie nur zu deportieren und auch über die Affäre Stillschweigen zu wahren.  Er bricht jedoch sein Versprechen und die ganze Familie St. Cyr stirbt durch die Guillotine.
Percy erfährt am Tag der Hochzeit in England, dass Marguerite die Familie verraten hat, und beschließt daraufhin mit fünf seiner Freunde sowie Armand, Marguerites Bruder, die Opfer der Französischen Revolutiobn zu retten.
Die Freunde beschließen nur nach Anweisungen zu handeln, die das Familienwappen von Percy tragen: The Scarlet Pimpernel, die scharlachrote Pimpernelle.
Damit niemand herausbekommt, dass sie vor allem Bürger Chauvelins Autorität untergraben wollen, geben sie sich als blasierte Briten aus, die auch gerne mal auf Schmetterlingsjagd gehen. Und so beginnt eine turbulente Geschichte.

Das Stück wird auf einer Bühne gespielt, die aus drei Ebenen besteht. Um die verschiedenen Schauplätze darzustellen, werden 5 Bögen, ähnlich wie Türrahmen, verwendet. In diese werden dann wechselnde Hintergründe gespannt, z.B. ein Bücherregal, eine Gartenlandschaft oder auch eine Guillotine. Ansonsten werden nur sehr wenige Requisiten verwendet, als Zuschauer hat man jedoch nie das Gefühl dass etwas fehlt.
Besonders zu erwähnen ist das tolle Lichtdesign, das eine ganz besondere Atmosphäre schafft. Es werden auch die Fenster des Schlosses von innen beleuchtet, was wirklich eine gigantische Wirkung hat.

Nun zu den Darstellern:

Der gebürtige Norweger Espen Nowacki verkörpert Sir Percy Blakeney, und zwar so überzeugend, dass man ihm den blasierten Engländer sofort abnimmt. Auch die vorhergehende Wandlung vom verliebten zum verzweifelten und schließlich zum entschlossenen Sir Blakeney gelingt ihm ohne Probleme. Auch zieht er das Publikum mit seiner Stimme in den Bann. Vor allem beim „Gebet“ lässt er das Publikum atemlos zurück und man wünscht sich, noch viel mehr von ihm zu hören. Leider hat er nicht so viele Solos, dafür treibt er dem Publikum noch öfters mit seiner humorvollen Art die Tränen in die Augen.
Die stärksten Lieder des Stückes hat wohl Chauvelin. Dieser Verantwortung wird Hans Neblung voll und ganz gerecht, wenn man sich auch die Schlusstöne noch kraftvoller wünschen würde. Die Darstellung des von der Revolution zerfressenen Bürgers, der sich gleichzeitig auch noch nach Marguerite verzehrt, beherrscht er perfekt. Man weiß nicht so genau, ob man Mitleid oder Abscheu empfinden soll.
Anna Thoren stellt die Schauspielerin Marguerit St. Just dar. Sie bezaubert das Publikum so mit ihrer Stimme, dass sie am Ende des Abends immer den größten Applaus bekommen hat. Bemerkenswert finde ich noch, wie viel Anna Thoren mit ihren Augen ausdrückt. Dort spiegelt sich jede noch so kleine Emotion wieder und das macht sie umso glaubwürdiger.
Besonders erwähnen möchte ich noch André Sultan-Sade, der Armand St. Just spielt. Er war für mich die größte Überraschung des Abends. Bei dem Duett mit Marguerite „Du bist bei mir“ harmoniert er stimmlich und schauspielerisch vollkommen mit Anna Thoren. Vor allem zeigt er, dass er eine wunderschöne Stimme hat, die sonst im Stück nicht mehr zur Geltung kommen kann.
Percys Freunde bestehend aus Thomas Schirano (Elton), Christian Stadlhofer (Ben), Adrian Kronenberger (Ozzy), Torsten Ankert (Dewhurst) und Markus Maria Düllmann (Farleigh) erspielen die Sympathie des Publikums mit ihrem Humor und dadurch dass als die Krone der Schöpfung schimmern.
Weiter spielten im Ensemble: Janina Goy, Sebastian Hammer, Harald Holstein, Alexander Kerbst, Stefanie Kock, Christine Schürmann, Katharina Schutza, Christian D. Trabert.

Bei zwei Vorstellungen hatte ich einmal Katharina Schutza als Marguerite St. Just und einmal Christian Stadlhofer als Sir Percy. Beide waren eine würdige Vertretung, vor allem Katharina Schutza machte den sicheren Eindruck einer Erstbesetzung. Bei Christian Stadlhofer vermisste man etwas die kräftigen Töne. Überzeugen kann er dafür in den komischen Passagen.

Das Orchester, das auf einem Balkon über der Bühne saß, wurde von Jürgen Voigt dirigiert. Die Klangqualität war sehr gut, nur bei den Ensembleszenen gab es textliche Verständnisschwierigkeiten.

Die Schlossfestspiele in Ettlingen haben bewiesen, dass ein Stück auch ohne pompöses Bühnenbild auskommt und eine liebevolle Inszenierung auf die Beine gestellt.

Und wer das Stück verpasst hat, hat die Chance Espen Nowacki und Stefanie Kock am 13.09.08 in Ettlingen bei Musical Moments zu erleben, wo Highlights aus vielen Musicals präsentiert werden.

 

Daniela Smoczynski für MFJ 19.8.08